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Luftschadstoffe

Der Flugverkehr am Frankfurter Flughafen verursacht nicht nur Fluglärm, auch Schadstoffe werden durch ein Flugzeug – genauso wie von anderen Verkehrsmitteln mit Verbrennungsmotor – in die Luft gebracht. Nach Inbetriebnahme der Landebahn Nord-West im Oktober 2011 sind in der Öffentlichkeit vermehrt Befürchtungen über erhöhte Schadstoffgehalte in der Luft artikuliert worden.

Luftschadstoffe (Quelle: UNH)
Flugzeuge verbrennen den Treibstoff Kerosin – dabei entstehen Abgase (Quelle: UNH)
  1. Erfassung der Luftschadstoffe im Umfeld des Frankfurter Flughafens
  2. Technische Messungen ausgewählter Luftschadstoffe
  3. Biomonitoring mithilfe von Flechten
  4. Bislang keine eindeutigen Rückschlüsse auf den Flugverkehr

Monitoring der Luftschadstoffe im Umfeld des Frankfurter Flughafens

Das UNH griff die Befürchtungen der Bevölkerung auf und lässt die damit zusammenhängenden Fragen nach fachlich anerkannten Standards und Methoden untersuchen. Um festzustellen, ob die vorzufindenden Schadstoffkonzentrationen den zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegten Grenzwerten genügen, müssen langfristige Messungen durchgeführt werden. Zur Erfassung der Luftschadstoffkonzentration ausgewählter Schadstoffe wird seit 2012 ein technisches Messprogramm durchgeführt. Um die Imissionswirkung luftgetragener Schadstoffe auf die Umwelt zu untersuchen existiert seit 2007 ein Biomonitoring-Programm auf Basis von Flechten als Bioindikatoren.


Mobile Luftmessstation (Quelle: HLNUG)
Standort der mobilen Luftmessstation in Neu-Isenburg (Quelle: HLNUG)

Mobile Luftmessstation

In Kooperation zwischen Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH), Hessischem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz startete im Mai 2012 das Untersuchungsprogramm zum Monitoring von Schadstoffimmissionen im Einflussbereich der neuen Nordwest-Landebahn des Flughafens Frankfurt. Eine mobile Luftmessstation wurde eingerichtet, die voll umfänglich in das Messnetz des HLNUG integriert ist. Messungen und Messgeräte unterliegen damit denselben strengen Qualitätsansprüchen, wie sie für das gesamte Netz gelten.


Wo sind die Messergebnisse der mobilen Messstation einsehbar?

Die mobile Luftmessstation ist jeweils als temporärer Bestandteil in das Luftmessnetz Hessen des HLNUG integriert und unterliegt damit denselben strengen Überwachungszyklen und qualitätssichernden Maßnahmen wie jede andere Station des Messnetzes auch. Die Auswertung der Messungen und die Bewertung der Ergebnisse übernehmen die Fachleute des HLNUG.


Fazit zu den bisherigen Messergebnissen

Auf Grundlage der vorliegenden Messungen und Auswertungen der Standorte Frankfurt Sachsenhausen/Lerchesberg, Flörsheim sowie Mörfelden-Walldorf und gemessen an den rechtlichen Anforderungen beurteilten die Fachleute des HLNUG die Luftqualität im Nahbereich des Flughafens. Dabei konnten keine auffällig erhöhten oder ungewöhnlichen Immissionsbelastungen festgestellt werden.


Exkurs Ultrafeinstaub

Als Ultrafeinstaub wird die Feinstaubfraktion bezeichnet, deren Partikel einen Durchmesser von weniger als 0,1 µm (100 NM) besitzen. Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass ultrafeine Partikel mit großer Wahrscheinlichkeit aufgrund ihrer geringen Größe tief in die Lunge eindringen und von dort in andere Gewebe des Körpers und in den Blutkreislauf gelangen können. Es wird vermutet, dass sich ultrafeine Partikel negativ auf das Atmungs- und Herz-/Kreislaufsystem auswirken.


Flechtenkartierung (Quelle: UNH)
Flechten sind keine Pflanzen. Eine Flechte kann man sich als Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und (in den meisten Fällen) einer Grünalge vorstellen. (Quelle: UNH)

Flechtenkartierung

Neben der technischen Erfassung der Luftschadstoffe im Umfeld des Flughafens Frankfurt/Main, anhand der mobilen Luftmessstation, wurde in den Jahren 2007 und 2012 eine Flechtenkartierung zur Beurteilung der lufthygienischen Situation im Nahbereich des Flughafens durchgeführt. Die nächste Kartierung findet im Jahr 2017 statt. Die Flechtenkartierung auf der sogenannten „Dauerbeobachtungsfläche Flughafen“ ist integriert in die hessenweite Flechtenkartierung, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie seit 1992 regelmäßig in Auftrag gibt und wird von Frau Prof. Dr. U. Windisch (Technische Hochschule Mittelhessen) betreut.


Flechtenkartierung – Hintergrund

Bei der Flechtenkartierung handelt es sich um ein sogenanntes Biomonitoring. Die Flechten dienen dabei als Bioindikatoren, die auf Luftschadstoffe reagieren. Sie sind sozusagen lebende Messgeräte, die die Luftqualität und die Umweltwirkungen von Luftschadstoffen erfassen. Quelle: VDI Blog, alles zum Thema Biomonitoring.


Lage und Ausdehnung der Dauerbeobachtungsfläche Flughafen  (Quelle: UNH)
Lage und Ausdehnung der Dauerbeobachtungsfläche Flughafen (Quelle: UNH)

Flechtenkartierung – Methoden/Vorgehen

Bei der Dauerbeobachtungsfläche Flughafen handelt es sich um ein 14 x 14 km großes Areal. In diesem sind, in einem regelmäßigen Raster, 49 Messflächen mit einer Größe von 1 km2 angeordnet. Innerhalb der Messflächen erfolgt die Untersuchung der Flechten an jeweils 6 – 12 geeigneten Bäumen. Im Anschluss an die Erhebung im Gelände wird für jede Messfläche ein Luftgüteindex berechnet.


Blattflechte Xanthoria parietina (Quelle: U. Windisch)
Eutrophierungszeiger, wie die Blattflechte Xanthoria parietina (gelb), werden in Hessen häufiger. (Quelle: U. Windisch)

Flechtenkartierung – Ergebnisse

Nach drei Flechtenkartierungen im Umfeld des Flughafens Frankfurt/Main über einen Zeitraum von 20 Jahren (einschließlich der Kartierung aus dem Jahr 1992), wurden zwei wesentliche Dinge festgestellt. Die Artenzahl der Flechten stieg, aufgrund einer Verbesserung der lufthygienischen Verhältnisse, über die Jahre stetig an. Die Anzahl der Flechtenarten, die durch eutrophierende (düngende) Luftschadstoffe begünstigt werden (Eutrophierungszeiger), nahm ebenfalls zu.



Links

Aktuelle Luftwerte für ganz Deutschland auf der Homepage des Umweltbundesamts.

Zur Website


Das Thema Luft auf der Homepage des Umweltbundesamts.

Zur Website


Wissenswertes

Fragen & Antworten

Welche Stoffe werden bei der Verbrennung von Kerosin ausgestoßen?

Je Kilogramm verbranntes (oxidiertes) Kerosin entstehen durchschnittlich:
(verbrauchsspezifischer Emissionsindex)

  • Kohlendioxid (CO2): 3150 g/kg
  • Wasserdampf (H2O): 1240 g/kg
  • Stickoxide (NOx): 6 – 16 g/kg
  • Kohlenmonoxid (CO): 0,7 – 2,5 g/kg
  • Kohlenwasserstoffe (HC): 0,1 – 0,7 g/kg
  • Schwefeldioxid (SO2): 0,418 g/kg
  • Partikel: 0,038 g/kg

Quelle: UBA-Forschungsbericht 296 41 838

Welche Grenzwerte gibt es?

Nach Überarbeitung der Europäischen Luftqualitätsgesetzgebung verabschiedete die Europäische Union im Jahr 2008 eine neue „Richtlinie über Luftqualität und saubere Luft in Europa“ (2008/50/EG). In Deutschland wurde diese Richtlinie über eine Novellierung des Bundes-Imissionsschutzgesetzes und Verabschiedung einer „Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen“ (39. BImSchV) in nationales Recht umgesetzt.

Die Grenzwerte im Detail können Sie auf der Internetseite des HLNUG einsehen.

Was hat es mit dem sogenannten "Fuel Dumping" auf sich?

Häufig wird gefragt, ob Flugzeuge Kerosin ablassen. Dazu ist festzustellen, dass es nicht die Regel ist, dass Flugzeuge Treibstoff ablassen, dies ist schon alleine rein ökonomisch (hohe Kerosinpreise) für die Airlines nicht sinnvoll. Viele Flugzeugtypen haben darüber hinaus überhaupt keine technischen Möglichkeiten mehr, Kerosin "abzulassen". Maschinen lassen nur dann Kerosin ab, wenn ihr Gewicht höher ist als es für eine sichere Landung erlaubt ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn kurz nach dem Start – noch vollbeladen – wieder gelandet werden muss (z.B. bei einem technischen oder medizinischen Notfall). Dies kommt allerdings sehr selten vor, die Maschine wird dann zunächst hoch über ein nicht besiedeltes Gebiet geführt, wo es das Kerosin ablassen kann. Aufgrund der Verdünnung des Kerosins in der Luft (Verdunstung, Verwirbelung), gehen Experten davon aus, dass am Boden nur mit geringen Auswirkungen zu rechnen ist.

Siehe zu dem Thema auch den Artikel über den Flughafen Zürich als PDF.

Erhebt auch die Fraport AG Daten zu Luftschadstoffen?

Die Fraport AG betreibt auf dem Gelände des Flughafens eigene Luftmessstationen. Die Ergebnisse dieser Messungen werden regelmäßig veröffentlicht und sind auf der Homepage der Fraport AG beziehungsweise in den jährlich veröffentlichten Lufthygienischen Jahresberichten einsehbar.